Die medizinischen Inhalte sind allgemeiner Art und nicht als individuelle Therapie-Empfehlungen zu verstehen. Im Zweifelsfall fragen Sie Ihren Arzt. Die Inhalte dieser Website sind mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Inhalte kann jedoch keine Gewähr übernommen werden. Aktuelle Texte 2018. Weitere auf Anfrage.

 


Zeit für die jährliche Grippeimpfung: Schützen Sie sich und Ihr Herz!

 

Der Herbst steht vor der Tür und bringt nicht nur bunt gefärbte Blätter, sondern auch kühles, nasses Wetter und damit auch die Grippesaison mit sich.

 

Eine Grippeinfektion mit dem Influenza-Virus führt nicht nur zu Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Husten, sondern kann lebensbedrohlich verlaufen. Verschiedene wissenschaftliche Übersichtsarbeiten haben die Wirksamkeit der Impfung gezeigt. Die Impfeffektivität gegen die verschiedenen Typen von Grippeviren liegt zwischen 33 und 63% bei Erwachsenen. Abhängig vom Virenstamm können also durch die Impfung ein bis zwei Drittel der Personen, die ohne Impfung erkrankt wären, vor der Grippe geschützt werden.

 

Besonders wichtig für unsere kardiologischen Patienten: Es wurde zudem gezeigt, dass die Grippeimpfung vor einem Herzinfarkt schützt, und deshalb gerade für kardiovaskuläre Risikopatienten extrem wichtig ist. Eine Grippeinfektion gilt als Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Über verschiedene Mechanismen kann eine Grippeinfektion die Entstehung eines Herzinfarkts begünstigen oder sogar hervorrufen.

Die Impfung reduziert das Risiko für einen Herzinfarkt um 15-45%. Dies ist vergleichbar mit der Effizienz wirksamer Präventionsmaßnahmen wie dem Einstellen des Rauchens (32-43%), der Einnahme von Statinen (19-30%) und einer guten medikamentösen Einstellung des Blutdrucks (17-25%).

 

Grundsätzlich empfiehlt die ständige Impfkommission (STIKO) eine Grippe-Impfung allen Personen ab 60 Jahren, allen Schwangeren ab dem 2. Trimenon, Personen mit gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (z.B. chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, des Herz- oder Kreislaufsystem oder  Leber- oder Nierenerkrankungen), Diabetikern und Immunsupprimierten. Darüber hinaus gilt die Empfehlung für Bewohner und Mitarbeiter von Alters- oder Pflegeheimen, medizinisches Personal sowie Personen, die als Infektionsquelle für Risikopersonen infrage kommen.

Die Impfung sollte im Idealfall im Oktober oder November erfolgen und muss jährlich erneuert werden, da sich die Influenzaviren jedes Jahr verändern können. Wir bieten die Impfung in unserer Praxis an, vereinbaren Sie gerne zeitnah einen Termin!

 

(CH; CAS) (MacIntyre, Mahimbo, Moa et al. Heart 2016; 102:1953–1956; Belongia et al. Lancet Infect Dis 2016;16:942 – 51; Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts 02/2018)


Anhaltender Husten: Abwarten und Tee trinken als Therapie der Wahl

 

Viele Menschen kennen das Problem: die Erkältung ist überstanden, aber der lästige Husten bleibt und man wird ihn für einige Wochen einfach nicht los. Dieser Husten wird als „subakut“ bezeichnet, er kann nach einem viralen Infekt für drei bis acht Wochen hartnäckig bestehen bleiben.

 

Nachdem alle Hausmittel nicht die gewünschte Wirkung erzielen, konsultieren viele Menschen den Arzt mit dem Wunsch nach der Verschreibung von „Husten-Medikamenten“. Hiervon sind zahlreiche Varianten im Handel; vom Husten gequälte Menschen geben weltweit insgesamt ca. vier Milliarden Dollar jährlich für diese Arzneimittel aus.

 

Ob dies sinnvoll ist, ist in der Wissenschaft umstritten. Der subakute Husten stellt in der Regel keinen Grund zur Sorge dar. Es handelt sich um eine verlängerte Reizung der Atemwege, die sich aber nach einiger Zeit wieder beruhigt. Eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit stellt die Wirksamkeit der hustenstillenden bzw. hustenlösenden Arzneimittel grundsätzlich in Frage.

 

Es wurden sechs verblindete Studien analysiert, bei denen die Patienten entweder ein Hustenmedikament (Montelukast, Salbutamol plus Ipratropiumbromid, Gelatine, Fluticasonpropionat, Budesonid sowie Opioidrezeptoragonisten) oder ein Placebo erhalten hatten. Dabei konnte für keine der medikamentösen Behandlungsoptionen eine signifikante, nachhaltige Verbesserung der Hustensymptomatik nach 14 oder 28 Tagen bzw. eine Verkürzung der Erkrankungsdauer nachgewiesen werden.

 

Natürlich ist es dennoch sinnvoll, bei bestehendem Husten einen Arzt aufzusuchen, um eine Lungenentzündung oder andere Lungenerkrankungen auszuschließen. Außerdem können hustenstillende Medikamente, wie beispielsweise Codein-Tropfen, Symptome lindern und nachts einen ruhigeren Schlaf ermöglichen. Aufgrund der wissenschaftlichen Datenlage kann aber bei subakutem Husten nach einem grippalen Infekt keine deutliche Empfehlung für ein Medikament ausgesprochen werden, welches den Krankheitsverlauf beeinflusst. Durch das sprichwörtliche „Abwarten und Tee trinken“ wird man den Husten tatsächlich nicht schneller, aber auch nicht langsamer wieder los.

 

(CH; CAS) (Speich et al. Br J Gen Pract 2018) 


Nächtliche Muskelkrämpfe: Magnesium nicht besser als Placebo

 

Nächtliche Muskelkrämpfe zählen zu den häufigen Beschwerden im Alter. Über 60% der älteren Menschen klagen über nächtliche Krämpfe, die die Betroffenen um ihren Schlaf bringen.

Zur Linderung der Symptome oder als Prophylaxe verwenden viele Magnesiumpräparate.

Eine aktuelle Studie zweifelt die Wirksamkeit dieser Präparate nun erheblich an.

In dieser Studie wurden 166 Menschen (Durchschnittalter 64,9 Jahre), die mehr als vier Muskelkrämpfe pro Woche angaben, eingeschlossen. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam ein Magnesiumpräparat. Die andere Gruppe erhielt ein Placebopräparat, also  ein Scheinmedikament, das keinen speziellen Wirkstoff enthält. Nach vier Wochen hatte sich das Auftreten der Krämpfe sowohl in der Magnesium- als auch in der Placebogruppe etwa um die Hälfte reduziert. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war nicht signifikant. Auch die Dauer und Schwere der Krämpfe sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität und den Schlaf zeigten keine Unterschiede.

Aufgrund dieser Studienergebnisse kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Gabe von Magnesium bei Muskelkrämpfen keine Auswirkungen hat. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass diese Muskelkrämpfe nicht durch einen Verlust von Mineralien, sondern durch eine Fehlsteuerung oder nervliche Ermüdung entstehen. Die erhöhte Verfügbarkeit von Mineralien hat somit keinen Effekt.

 

(MR, PM;CAS) (Maor et al JAMA Intern Med 2017;177:617-623)

 

 


Blutdruckmessungen beim Arztbesuch und über 24 Stunden – ein aktueller Vergleich

 

Wenn die Blutdruckmessung beim Arzt überraschend hohe Werte zeigt, bleibt bei vielen Patienten erstmal ein beunruhigendes Gefühl zurück. Doch welche Relevanz hat diese Messung für die Herzgesundheit zum Beispiel im Vergleich zu einer auffälligen 24-Stunden Langezeitblutdruckmessung?

Dieser Frage ging eine aktuelle Studie der Universität in Madrid nach.

Dafür wurden die Messdaten aus einem großen Datenregister von knapp 64.000 Erwachsenen untersucht und ausgewertet. Durch die klinisch (in der Arztpraxis) und ambulant (per 24-Stunden-Messung) gemessenen Werte ließen sich die Patienten gemäß ihres Blutdrucks vier Kategorien zuordnen:

- anhaltendem Bluthochdruck (Werte beider Messungen zu hoch)

- Weißkittel-Bluthochdruck (zu hohe Werte in klinischer Messung)

- maskiertem Bluthochdruck (zu hohe Werte in ambulanter Messung)

- anhaltendem Bluthochdruck

Nach der Datenanalyse ergaben sich folgende Ergebnisse: Auffällige ambulante 24-Stunden-Langzeitmessungen sind stärkere Prädiktoren für die kardiovaskuläre Sterblichkeit als erhöhte  Blutdruckwerte beim Arztbesuch. Für die Gesamtsterblichkeit gilt dasselbe, auch hier hat die ambulante Messung eine stärkere Vorhersagekraft.

Für den sogenannten Weißkittel-Bluthochdruck konnten die Wissenschaftler keine Entwarnung geben. Auch diese Form der Hypertonie hat unbehandelt ein zweifach erhöhtes Sterblichkeitsrisiko.  

Interessanterweise konnte beim Vergleich der Blutdruckmessung in der Praxis und per 24-Stunden-Langzeitmessung bei 8,4%  Patienten ein sogenannter maskierter und damit unbehandelter Bluthochdruck diagnostiziert werden. Dieser zeichnet sich durch gemessene Normalwerte in der Arztpraxis aus, wohingegen die Werte in der Langzeitmessung im Tagesverlauf zu hoch sind. Diese Werte lassen sich häufig durch eine hohe Stressbelastung im Arbeitsalltag erklären. Die maskierte Hypertonie, wie sie in der Medizin betitelt ist, hatte das höchste Sterblichkeitsrisiko (2,9-fach erhöht). Ursächlich dafür wird die lange Zeit des unentdeckten und unbehandelten Bluthochdrucks angesehen. Damit gilt eine dringende Behandlungsempfehlung, um kardiovaskuläre Gesundheitsfolgen möglichst gering zu halten.

Eine kurze Blutdruckmessung beim jährlichen Check-Up schließt also nicht in jedem Fall einen Bluthochdruck aus und ist damit nicht für alle Patienten ausreichend. Bei Risikopatienten empfiehlt sich eine umfassende Untersuchung inklusive der ambulanten Blutdruckmessung, damit alle Hypertonieformen erkannt und entsprechend behandelt werden können.

 

 

(PM; CAS) (Banegas et al. The New England Journal of Medicine 2018; 378: 1509-20)


Ein längerer Spaziergang als Schutz vor Demenz

 

Regelmäßige körperliche Aktivität ist gesund für Körper und Geist – so viel ist bekannt. In einer großen japanischen Kohortenstudie mit fast 7000 Studienteilnehmern über 65 Jahren wurde kürzlich gezeigt, wie schon ein längerer Spaziergang pro Tag das Demenzrisiko deutlich senken kann.

Die Probanden wurden zwei Mal im Abstand von 12 Jahren befragt, wie viel Zeit sie pro Tag mit Gehen verbringen und dementsprechend in drei Gruppen unterteilt: weniger als 30 Minuten, zwischen 30 und 60 Minuten und mehr als 60 Minuten Gehzeit.

Diejenigen, die zu beiden Zeitpunkten mehr als eine Stunde pro Tag in Bewegung waren, hatten im Vergleich zur Gruppe mit weniger als 30 Minuten Bewegung ein um 28 % geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.

Schon ein längerer Spaziergang täglich kann also die Gedächtnisfunktionen aufrechterhalten, und ist gleichzeitig auch gesund für das körperliche Wohl -  beispielsweise Herz und Kreislauf.

 

 

(CH; CAS) (Tomata et al. Age and Ageing 2017; 46: 857-860)


Hühnereier auf dem Speiseplan?

Ein aktueller Zwischenstand der Ei-Debatte

 

Kaum ein Lebensmittel ist so umstritten wie das Ei. Viele befürchten, das in ihm enthaltene Cholesterin fördere Herzkreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Arteriosklerose. Andererseits wird das Ei für seinen Proteingehalt und die enthaltenen Antioxidantien und Mineralien geschätzt.

Amerikanische Wissenschaftler fanden in einer aktuellen Studie heraus, dass das Konsumieren von einem Hühnerei pro Tag das Schlaganfallrisiko sogar um 12% senkte. Sie untersuchten und verglichen dafür die Ergebnisse 14 verschiedener Studien aus Amerika, Asien und Europa. Dabei konnte auch kein Anhalt für ein erhöhtes Risiko für die koronare Herzerkrankung bei einem täglichen oder häufigeren Eierkonsum gefunden werden.

Einen magischen Gesundheitseffekt wollten die Wissenschaftler dem Ei aber auch nicht zuschreiben. Stattdessen betonten sie, dass eine ausgewogene Ernährung und ein guter Lebensstil entscheidend seien – und dabei gehören unter anderem Eier auf den Speiseplan.

Kritiker dieser Ergebnisse begrenzten den positiven Effekt lediglich auf das Eiweiß. Der hohe Fettanteil (31,9 g pro 100 g Ei) im Eigelb, könne ihrer Meinung nach kaum einen positiven gesundheitlichen Effekt haben. Das Eiweiß ist mit lediglich 0,03 g Fett pro 100 g Ei um einiges fettärmer, der Mineralstoffgehalt aber auch niedriger im Vergleich zum Eigelb.

Nun stellt sich die Frage, ob besondere Vorsicht vor Eiern geboten ist, wenn man bereits erhöhte Blutfette hat oder an Diabetes erkrankt ist?

Auch diese Kombination wurde kürzlich in einer Studie der Universität in Sydney untersucht. Dabei machten über 120 übergewichtige Diabetiker eine dreimonatige Diät – entweder mit einem Verzehr von unter 2 Eiern (low-egg-Gruppe) oder mit 12 Eiern pro Woche (high-egg-Gruppe). Beide Gruppen konnten durch die Diät nachhaltig Gewicht verlieren.

Interessanterweise gab es ebenfalls in beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede zwischen den gemessenen Blutfetten (LDL-, HDL-Cholesterin, Triglyceride, apoB) und Blutzuckerwerten vor und nach der Diät. Die Forscher sehen damit die high-egg-Diät auch für Typ-2-Diabetiker als geeignet an, da sie  keine schädlichen Konsequenzen für kardiovaskuläre Risikofaktoren nach sich zieht.

Von einer Gefahr, die von Eiern ausgeht, wie es viel in den Medien betitelt wurde, kann also auch keine Rede sein. Hühnereier können scheinbar sogar herz- und gefäßschützende Effekte haben und können in Maßen auch von Personen mit kardiovaskulärer Vorbelastung verzehrt werden. Dennoch wird deutlich, dass weitere Studien nötig sind, um die Effekte von Eiern zukünftig noch genauer zu untersuchen. Ihre Berechtigung auf dem Frühstückstisch haben sie aber laut der hier vorgestellten Ergebnisse nicht verloren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt aktuell einen Konsum von bis zu drei Eiern pro Woche.

 

(PM; CAS; Alexander et al. Journal of the American College of Nutrition, 2016; Fuller et al. The American Journal of Clinical Nutrition, 2018)


Bloß eine Zigarette - harmlos oder doch schädlich?

 

Auf die Beantwortung dieser Fragestellung zielte eine Gruppe von Forschern unter der Leitung von A. Hackshaw ab. Dazu wurde eine Analyse von 141 Studien durchgeführt. 

                             

Die Untersuchung umschrieb ausschließlich den Einfluss der Zigarette auf das Risiko einer koronaren Herzkrankheit. Ausgeschlossen wurden weitere Folgen wie Lungenkrebs.

Der Untersuchungsschwerpunkt fokussierte die Höhe des Risikos angesichts einer koronaren Herzkrankheit und dem Zigarettenkonsum unter männlichen und weiblichen Bevölkerungsgruppen vergleichend zu Nichtrauchern. Dabei konsumierten die Probanden je eine, 5 oder 20 Zigaretten.  Bei dem Konsum einer Zigarette resultierte ein um 48 % höheres relatives Risiko seitens der männlichen Probanden gegenüber den Nichtrauchern.  Der Genuss von 5 oder 20 Zigaretten ergab ein 58 % sowie 104 %  höheres Risiko. Bei den Frauen waren folgende Werte feststellbar: 57 %, 78 % und 184 %. Demnach ist das Risiko einer koronaren Herzkrankheit, infolge des Nikotinkonsums, unter der weiblichen Bevölkerung als weitaus höher  einzustufen. Essentiell ist, dass der tägliche Verzehr von bereits einer Zigarette nahezu die Hälfte des Risikos von 20 Zigaretten nach sich zog. Auch  für die Gefährdung eines Schlaganfalls wurden ähnlich hohe Werte ermittelt.

                                                                                                                                                                                       

Fälschlicherweise wird oft auf Seiten der Bevölkerung die Ansicht vertreten, dass ein Konsum von einer minimalen Anzahl von Zigaretten (1-5) pro Tag kaum schädlich für die Gesundheit sei. Doch bereites der Konsum einer Zigarette täglich korreliert mit einem negativen Effekt auf die Gesundheit.

Somit sollte möglichst jeder komplett auf Zigaretten verzichten, um sich selbst und seine Mitmenschen langfristig zu schützen.

 

(IM; CAS) (Hackshaw, A. et al. BMJ 2018)

 


Aktuelle Harvard Studie zeigt: Amerikaner verschenken viele Lebensjahre durch ungesunden Lebensstil

 

Nichtrauchen, ein normales Körpergewicht (Body Mass Index zwischen 18,5 und 25,9 kg/m²), mindestens dreißig Minuten moderate körperliche Aktivität pro Tag, gesunde Ernährung und nicht zu viel Alkohol – dies sind die klassischen Komponenten eines gesunden Lebensstils, für den wir unsere Patienten begeistern möchten. Wie effektiv diese Maßnahmen sein können, zeigten nun einmal mehr Wissenschaftler der Harvard Universität aus Boston.

 

Sie untersuchten, inwieweit sich die Lebenserwartung von Amerikanern, die all diese fünf Lebensstil-Faktoren befolgten, von der Lebenserwartung derjenigen Amerikaner unterscheidet, die einen „ungesunden Lebensstil“ haben (also übergewichtig sind, rauchen, sich nicht bewegen, viel Alkohol trinken und sich ungesund ernähren). Das Ergebnis der Analyse von Daten aus großen Studien mit tausenden Teilnehmern fällt sehr deutlich aus: Eine 50-jährige Frau mit gesundem Lebensstil lebt im Durchschnitt 14 Jahre länger als eine Frau, die keinen der Ratschläge befolgt. Bei Männern liegt der Unterschied bei 12,2 Jahren.

Wenig überraschend ist außerdem, dass das Risiko für Krebserkrankungen sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die gesündere Lebensweise stark gesenkt wird. 

 

Natürlich hat es den größten Effekt, wenn alle der oben genannten Komponenten des gesunden Lebensstils eingehalten werden, dennoch sind auch schon ein oder zwei der Maßnahmen mit einer höheren Lebenserwartung verbunden. Es lohnt sich also auch schon klein anzufangen, denn auch beispielsweise durch ein gesundes Gewicht, körperliche Bewegung oder die Nikotinabstinenz alleine können wertvolle Lebensjahre dazugewonnen werden.

 

(CH; CAS) (Li et al. Circulation 2018) 


Regelmäßige Besuche in der Sauna vermindern das Risiko eines Schlaganfalls

 

Darauf verwies eine finnische Studie, welche einen Beobachtungszeitraum von 15 Jahren umfasste.

Untersucht wurde, inwiefern die Anzahl an Saunabesuchen mit der Reduktion eines Schlaganfallrisikos korreliert. Es wurden die Daten der „Kuopio Ischaemic Heart Disease Risk Factor (KIHD)- Studie“ verwendet. Die Umfrage umfasste eine Teilnehmeranzahl von 1628 Frauen und Männern zwischen 53-74 Jahren, welche regelmäßig eine finnische Sauna besuchen. Für jene ist ein niedriger Luftfeuchtigkeitsanteil zwischen 10-20% und hohe Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad charakteristisch.                                                                                                                                              Bemerkenswert ist, dass Saunabesuche innerhalb der finnischen Population einen hohen Beliebtheitsgrad aufweisen, vor allem bei der jüngeren Bevölkerung.

Die Studienteilnehmer wurden nach der Häufigkeit der Saunabesuche in drei Gruppen eingeteilt (einmal pro Woche, 2-3 Mal pro Woche oder 4-7 Mal wöchentlich). Diejenigen Personen,  die 2-3 Mal pro Woche die Sauna besuchten, hatten gegenüber jenen, die einmal in die Sauna gingen, ein 14 % vermindertes Schlaganfallrisiko. Vergleichsweise dazu haben Personen mit bei 4-7 Saunagängen pro Woche ein um 61 % erniedrigtes Risiko. Festgestellt wurde dies unabhängig von weiteren Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter, Blutdruck, Body Mass Index, Rauchen, Alkoholkonsum sowie sportlicher Aktivität und sozioökonomischem Status.                                                                                                                                                                                                                                

Generell ist zu sagen, dass Saunabesuche nicht lediglich das Schlaganfallrisiko senken, sondern zudem eine positive Wirkung auf die allgemeine körperliche Gesundheit ausüben. So korreliert regelmäßiges Saunieren mit einer Immunsystemstimulierung, einer Minderung des körperlichen Stressfaktors sowie einer positiven Beeinflussung angesichts des autonomen Nervensystems und Blutdrucks.                                                                                                                                                          Bereits Studien in der Vergangenheit verwiesen auf positive Effekte der Sauna auf das Herz-Kreislauf-System.                                                                                                                                         

Der finnische Trend ist also absolut empfehlenswert für die Gesundheit.

 

(IM;CAS) (Kunutsor et al. Neurology 2018;0:e1-e8)


Statintherapie: Statine sind besser als ihr Ruf

 

Die Statine, auch Fettsenker genannt, sind so umstritten wie kaum ein Medikament auf dem Pharmamarkt. Es kursieren viele Halbwahrheiten in Medien und dem Internet, die vor allem die betroffenen Patienten verunsichern. Nun hat sich die Eurpopäische Ateriosklerose-Gesellschaft (EAS) in einem aktuellen Konsensuspapier zur Statintherapie geäußert. 

Nach sorgfältiger Prüfung der Datenlage in verschiedenen Studien der letzten 17 Jahre wurde untersucht, wie häufig Nebenwirkungen unter eine Statindauertherapie auftreten.

Dabei ist die EAS zu dem Schluss gekommen, dass Statine deutlich besser sind als ihr schlechter Ruf.

So kommen die Muskelschmerzen, als die vermutlich bekannteste Nebenwirkung von Statinen, in verblindeten* Studien nur mit einer Häufigkeit von 0,1 – 0,2 % vor. In Studien in denen die Teilnehmer zu Studienbeginn von einer Statintherapie wussten, klagten jedoch 7 - 29% über Muskelschmerzen. Die Wissenschaftler vermuten daher einen Nocebo- Effekt: Das Wissen über diese Nebenwirkung und ihre mediale Präsenz lösen bei den Patienten eine negative Erwartungshaltung aus, was zu den überdurchschnittlich häufigen Meldungen von Muskelschmerzen führte.

Auch die Angst vor einem steigenden Diabetes-Risiko ging die Expertenrunde genauer auf den Grund. Zwar steigt der Nüchternblutzucker unter Statinen leicht an, jedoch entwickelt nur einer von 1.000 Patienten jährlich einen Diabetes. Die Experten betonten vor allem, dass unter der Statintherapie fünf kardiovaskuläre Vorfälle jährlich pro 1.000 Patienten verhindert werden. Dieser Nutzen überwiege den potenziellen Anstieg des Nüchternblutzuckers, so die Experten.

Die Sorge über kognitive Beeinträchtigungen unter einer Statintherapie räumte die EAS ebenfalls aus. Über 25 Studien mit insgesamt 46.000 Teilnehmern lieferten für diese Bedenken keinerlei Anhaltspunkte.

Eine weitere unerwünschte Nebenwirkung ist ein milder Anstieg der Leberwerte. Dieser wurde jedoch als harmlos bewertet und tritt in 0,5 – 2% der Fälle bei Therapiebeginn auf, wobei sich die Werte für gewöhnlich nach kurzer Zeit normalisieren. Auch für Patienten mit einer Fettleber ist eine Statintherapie geeignet, eine Krankheitsverschlechterung ist nicht zu erwarten.

Für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion gibt es ebenfalls Entwarnung. Statine stellen auch für sie kein Risiko dar, ganz im Gegenteil wird in einzelnen Studien sogar von einem verzögerten Krankheitsprogress unter Statinen berichtet.

Den in Beobachtungsstudien vermuteten Zusammenhang zwischen Statinen und der Entwicklung der Augenerkrankung Grauer Star (Katarakt) stuften die EAS-Experten nach Prüfung der Datenlage als haltlos ein.

Aufgrund der beschriebenen Ergebnisse kamen die Experten zu dem Fazit, dass Statine erstaunlich sicher und ihre Nebenwirkungen insgesamt als harmlos und selten einzustufen sind. Vor allem ihre schützenden Effekte überwiegen langfristig. Dieses klare Statement sollte bestärken die eigene Statintherapie gewissenhaft fortzuführen nicht wegen gesundheitlicher Bedenken vorschnell zu verändern.

 

 

*verblindet: Für Studienteilnehmer wurde die Behandlung , hier also die Einnahme des Statins, nicht offengelegt

 

 

(PM; CAS) (Mach et al. Euorpean Heart Journal (2018) 0, 1-18)


Auch schon geringe Alkoholmengen sind schädlich fürs Gehirn

 

Seit der Entdeckung des „Französischen Paradoxons“ hält sich das Gerücht, dass ein moderater Alkoholkonsum gesund sei. Dieses Paradoxon beschreibt, dass Menschen in Frankreich trotz deutlich häufigerem Konsum von Wein länger leben und weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als andere Nationen. Ein kausaler Zusammenhang wird  allerdings vermehrt von Wissenschaftlern angezweifelt. Zudem hat der Konsum von Alkohol nicht nur Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, sondern auch auf andere Organsysteme, vor allem auch auf das Gehirn.

 

Eine Forschergruppe aus Oxford untersuchte kürzlich die Auswirkungen von moderatem Alkoholkonsum auf das Gehirn.  550 Männer und Frauen wurden über einen Zeitraum von 30 Jahren beobachtet und dabei regelmäßig zu ihrem Alkoholkonsum befragt und die Hirnleistung untersucht. Am Ende des Beobachtungszeitraumes wurde eine Kernspintomographie des Kopfes durchgeführt.

 

Der Alkoholkonsum der Teilnehmer wurde eingeteilt in gering (1-7 Einheiten/ Woche), moderat (7-14 Einheiten/Woche für Frauen und 7-21 Einheiten/Woche für Männer) und risikoreich ( >14 Einheiten bei Frauen, >21 bei Männern). Eine Einheit entspricht 8g reinem Alkohol, ein 200ml-Glas Rotwein entspricht also ca. 2 Einheiten. 

Das Ergebnis war eindeutig. In den MRT-Bildern konnte man sehen, wie die Hirnmasse dosisabhängig mit steigender konsumierter Alkoholmenge geschädigt wird. Dies gilt besonders für den Bereich des Hippocampus, eine Hirnregion, die vor allem für das Gedächtnis zuständig ist. Bereits bei moderatem Alkoholkonsum stieg das Risiko für eine Schädigung in diesem Bereich um das Dreifache. Es konnte keinerlei schützender Effekt von geringen Alkoholmengen nachgewiesen werden. Alkohol ist also ein Nervengift.

Auch das Risiko für kognitive Einschränkungen stieg dosisabhängig bei Alkoholkonsum im Vergleich zur Abstinenz.

 

Natürlich darf man sich hin oder wieder ein Glas Wein oder Bier erlauben, dennoch sollte man sich dabei nicht einreden, dass dies sogar gesund sei und den moderaten Alkoholkonsum verharmlosen. Vor allem was das Gehirn betrifft, ist klar zu sagen: am besten ist es, abstinent zu bleiben.

 

 (CH; CAS) (Topiwala et al. BMJ 2017; 357:j2353)