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Wenn schon Milch, dann als low-fat-Variante

 

Milch war lange Zeit als gesundes Nahrungsmittel beliebt: energiereich, gut für die Knochen, Lieferant von Calcium und Vitamin D. In letzter Zeit sind Milch und Milchprodukte allerdings zunehmend in Verruf geraten und nicht nur Menschen mit Laktoseintoleranz greifen vermehrt zu Ersatzprodukten wie Soja-, Reis- oder Mandelmilch. Zu Recht?

 

Ein besonders interessantes Thema für Forscher aus Schweden, einem Land, in dem traditionell besonders viel Milch und Milchprodukte konsumiert werden. Vor einigen Jahren wurde eine schwedische Studie veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen häufigem Milchkonsum und erhöhter Sterblichkeit aufzeigte und sogar die positiven Effekte von Milchkonsum auf Osteoporose infrage stellte. Dies nahm nun eine Forschergruppe zum Anlass, nochmals genauer den Zusammenhang zwischen dem Konsum verschiedener Milchprodukte und der Gesamtsterblichkeit von über 100.000 Studienteilnehmern zu untersuchen. Dabei wurde zwischen nicht-fermentierter Trinkmilch und Butter auf der einen Seite und fermentierten Milchprodukten, z.B. Sauermilch, Joghurt und Käse auf der anderen Seite unterschieden. Das Ergebnis: Studienteilnehmer, die täglich mehr als 2,5 Portionen nicht-fermentierter Milch zu sich nahmen, hatten ein um 32% erhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu denjenigen, die weniger als ein Mal pro Woche Milch tranken. Die erhöhte Sterblichkeit galt für Milch mit jeglichem Fettgehalt, wobei das Risiko für Milch mit niedrigem Fettanteil (0,5% und 1,5%) deutlich geringer war als für Milch mit hohem Fettanteil (3%). Für regelmäßige Konsumenten von Butter gab es einen ähnlichen Zusammenhang, das Gesamtsterberisiko war um 11% erhöht.

Für fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und auch Käse konnte dieser Zusammenhang nicht festgestellt werden.

Die Forscher konnten allerdings keinen kausalen Zusammenhang zwischen vermehrtem Milchkonsum und höherer Mortalität aufzeigen und eine Erklärung wurde noch nicht abschließend gefunden. Trotzdem sind die Ergebnisse signifikant und sollten weiter untersucht werden. Ein moderater Konsum von Milch, vor allem mit geringem Fettanteil, ist allerdings höchstwahrscheinlich gesundheitlich völlig unbedenklich.

 

(CH; CAS) (Tognon, Nilsson et al. AM J Clin Nutr 2017; 105: 1502-11)


Alkohol kann das Herz aus dem Rhythmus bringen

 

O’zapft is - Am 16. September ist es wieder so weit. Deutschlands größtes Volksfest, das Oktoberfest oder auch die Wiesn genannt, geht in die nächste Runde. Seit 1810 wird diese Tradition jährlich auf der Münchner Theresienwiese ausgetragen. Dabei gehört für viele neben dem ausgelassenen Feiern auch ein hoher Alkoholkonsum dazu. 2015 gingen ca. 7,5 Millionen Liter Bier über die Theke.

Das sind also ideale Gegebenheiten, um die Beziehung zwischen Alkohol und Herz genauer zu untersuchen. Eine Studie der Uniklinik München fand heraus, dass Alkohol besonders den Herzrhythmus beeinflusst. Dafür wurden über 3000 Besucher des Oktoberfests 2015 mit einem portablen Electrocardiogramm ausgestattet, welches die Herzaktion aufzeichnete. Die Alkoholkonzentration wurde über den Atem gemessen.

Die Auswertung der Messdaten nach 16 Tagen Oktoberfest ergab interessante Ergebnisse: In 30,5% der Fälle trat eine Herzarrhythmie auf. Dabei konnten die Forscher eine unabhängige Assoziation zwischen diesen kardialen Erstereignissen, den Rhythmusstörungen, und der Alkoholkonzentration feststellen. Am stärksten stand die Sinustachykardie mit Alkohol in Zusammenhang, ihr Anteil an den Arrhythmien betrug 25,9%.

Bei der Sinustachykardie ist die Schlagfrequenz des Herzens erhöht, es schlägt mehr als 100 Mal pro Minute. Sinustachykardien treten zum Beispiel bei Stress, körperlicher Anstrengung oder Fieber auf. Ihre Behandlung hängt von der Ursache ab, häufig sind sie nicht behandlungsbedürftig.

Klinisch relevante Rhythmusstörungen zeigten sich immerhin bei knapp 4% der feiernden Studienteilnehmer. Wer auf der Wiesn also zur ein oder anderen Mass Bier greift,  bringt auch sein Herz in Fahrt und kann es für kurze Zeit aus dem Rhythmus bringen.

 

 

(PM; CAS) (Brunner et al European Heart Journal (2017) 0, 1-7)


DASH-Diät senkt das Gichtrisiko

 

Die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) ist vor allem als blutdrucksenkende Ernährungsform bekannt. Sie ist salz- und fleischarm, umfasst viel Obst und Gemüse, Nüsse und Hülsenfrüchte, sowie fettreduzierte Milchprodukte.

Nun fand eine Studie der Harvard Medical School in Boston heraus, dass sich durch die DASH-Diät auch Erfolge bei der Prävention von Gicht verzeichnen lassen.  

Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung, die mit erhöhten Harnsäurespiegeln im Blut einhergeht.

Im Rahmen der Studie wurden 44.444 gesunde Männer seit 1986 über 26 Jahre beobachtet. Über standardisierte Fragebögen wurden die Studienteilnehmer zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. So konnten die Teilnehmer gemäß ihren Essgewohnheiten der DASH-Diät oder der Western-Diät zugeordnet werden. Bei der Western-Diät stehen vor allem rotes Fleisch, Süßspeisen, Weißmehl und frittierte Nahrungsmittel auf dem Speiseplan.  

1731 Personen erkrankten über die Jahre an Gicht. Im Vergleich zeigte sich, dass das Gichtrisiko unter Teilnehmern, die sich konsequent an die DASH-Diät hielten, um 30% erniedrigt war. Das Risiko der Studienteilnehmer mit Western-Diät war hingegen um 40% erhöht.

Die Forscher sehen in diesen Ergebnissen mehrere Vorteile der DASH-Diät. Zum einen ist die DASH-Diät eine gute Möglichkeit zur Prävention von Gicht. Zum anderen kann sie auch für Hochrisikopatienten mit bereits erhöhten Harnsäurespiegeln eine wichtige Therapiekomponente darstellen. Aufgrund der häufigen Begleiterkrankungen der Gicht, wie Bluthochdruck und  andere kardiovaskuläre Erkrankungen, profitieren diese Patienten zusätzlich vom blutdrucksenkenden Effekt der DASH-Diät.

(PM; CAS) (Rai et al BMJ 2017)


Statine: Wirksamkeit wieder mal bestätigt

 

Statine sind gut wirksame Cholesterinsenker. Seit langem sind sie ein fester Bestandteil der Therapie von Risikopatienten zur Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen.

Dennoch wurde ihr Einsatz in letzter Zeit viel diskutiert. Negative Medienberichte über unerwünschte Nebenwirkungen verunsicherten viele Patienten und führten häufig sogar zu Therapieabbrüchen.

Dabei sind Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems weltweit immer noch die führende Todesursache und ein hoher Cholesterinspiegel ist ein wesentlicher Risikofaktor.

Eine Gruppe amerikanischer Forscher nahm nun 19 Studien der vergangenen Jahre genauer unter die Lupe. Insgesamt 71.344 Patienten mit unterschiedlichen kardiovaskulären Erkrankungen* wurden in die Studien eingeschlossen.  Dabei wurde die Statintherapie mit einer Placebotherapie verglichen. Betrachtet wurden kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall), die kardiovaskuläre Sterblichkeit, sowie die Gesamtsterblichkeit.

In allen Bereichen zeigten Statine eine bedeutende Risikosenkung. Die Gesamtsterblichkeit konnte um 14%, die Schlaganfall- und Herzinfarktrate um bis zu 35% gesenkt werden.

Selbst Patienten mit Cholesterinspiegeln unter 200 mg/dl profitierten von der Statintherapie. Der Nutzen stieg mit der Höhe des Cholesterinspiegels.

Statine haben also eine große Bedeutung in der Prävention von kardiovaskulären Ereignissen und weiterhin ihre Berechtigung in der Therapie zu hoher Cholesterinwerte.

 

*Hyperlipidämie, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schlaganfall.

 

 

(PM; CAS) (Chou et al JAMA 2016; 316(19):2008-2014)


Nächtliche Muskelkrämpfe: Magnesium nicht besser als Placebo

 

60% der älteren Menschen klagen über nächtliche Muskelkrämpfe. Zur Linderung der Symptome oder als Prophylaxe verwenden viele Magnesiumpräparate. Eine aktuelle Studie zweifelt die Wirksamkeit dieser Präparate nun erheblich an.

In dieser Studie wurden 166 Menschen (Durchschnittalter 64,9 Jahre), die mehr als vier Muskelkrämpfe pro Woche angaben, eingeschlossen. Sie wurden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe bekam ein Magnesiumpräparat, die andere Gruppe ein Placebo. Nach 4 Wochen hatte sich das Auftreten der Krämpfe sowohl in der Magnesium- als auch in der Placebogruppe etwa um die Hälfte reduziert. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war nicht signifikant. Auch die Dauer und Schwere der Krämpfe sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität und den Schlaf zeigten keine Unterschiede.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Gabe von Magnesium bei Muskelkrämpfen keinen Effekt hat. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass diese Muskelkrämpfe nicht durch einen Verlust von Mineralien, sondern durch eine Fehlsteuerung oder nervliche Ermüdung entstehen. Die erhöhte Verfügbarkeit von Mineralien führt somit zu keiner Verbesserung.

 

(MR;CAS) (Maor et al JAMA Intern Med 2017;177:617-623)


Schmerzmittel erhöhen das Herzinfarktrisiko

 

Unter dem Begriff Nicht-steroidale antiinflammatorische Substanzen (NSAID) werden Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen zusammengefasst. Sie werden den meisten als Schmerzmittel bekannt sein. Dass diese Medikamente das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen können, war bereits bekannt. Eine aktuelle Studie hat nun aber untersucht, inwiefern sich die Therapiedauer und die Dosierung auf das Risiko auswirken. Dazu wurden Daten von über 400 000 Personen ausgewertet. In der Analyse sich, dass die Einnahme eines Medikaments aus der Gruppe der NSAID für eine Woche, einen Monat oder länger das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht. Das Risiko steigt dabei mit der Dosis an. Der deutlichste Risikoanstieg zeigte sich bei einer Dauer von 8-30 Tage in hoher Dosierung. Für Ibuprofen waren dies beispielsweise mehr als 1200g am Tag, für Diclofenac mehr als 100mg.

Die Autoren weisen darauf hin, dass dieser Zusammenhang besonders für Menschen mit einem hohen Ausgangsrisiko für einen Myokardinfarkt von Bedeutung ist.

 

(MR;CAS) (Bally et al. BMJ 2017;357:j1909)